1984 kam mit der LEGOLAND Burgenwelt eine eigenständige Reihe zum Thema Mittelalter von LEGO auf den Markt. Ganz so neu war die Idee des dänischen Spielzeugherstellers aber nicht, gab es von 1978 bis 1982 bereits schon einmal Sets in diesem Szenario, wie eine Burg und ein Ritterturnier. Das Jahr 1984 markiert dennoch eine Art Neustart, da die Burgenreihe mit umfangreicher Produktpalette und eigener Identität aufgebaut wurde. Interessant ist, dass 1983 im offiziellen LEGO Katalog kein einziges Set zum Thema Ritter oder Burg zu finden ist, es also faktisch ein Jahr Pause für Schwert und Schild gab.

Zurück ins Jahr 1984. Damals zählte der LEGO Katalog 8 neue Modelle, die in der Ära des Mittelalters spielten. Eines davon war die 6073 Ritterburg auch als “(Black) Knight’s Castle” oder kleine Ritterburg bekannt, die wir uns hier näher ansehen wollen.

Verpackung

Besonders freut mich, dass ich den Karton zur Burg noch habe und hier genauer vorstellen kann. Typisch für Verpackungen der 80er Jahre Burgenserie ist auch hier wieder die verwendete Farbpalette von gelb über orange zu rotbräunlichen Tönen. Auf dem Karton prangt der LEGOLAND-Schriftzug diagonal in der linken oberen Ecke. Der Deckel lässt sich aufklappen und im inneren werden die Figuren und einige der damals neuen und bedruckten LEGO Teile präsentiert.

Als Alternativmodelle zeigt der Karton eine Zugbrücke mit zwei Türmen, andere Arten von Burgmauern mit Tor oder auch Fallgatter und natürlich kleine Szenen mit den Minifiguren, die zum Nachspielen anregen sollen.

Bauanleitung und Zusammenbau

Da die Burg einen sehr symmetrischen und fast gespiegelten Aufbau besitzt, benötigt es gerade mal 14 Schritte zum Zusammenbau des unteren Stockwerks. Weitere 10 Schritte später hat man dann auch die Türme, die Zinnen und den Aufbau vom Tor fertiggestellt. Nach Adam Riese macht dies gerade mal 24 Schritte für eine ganze Burg. Sind alle Teile griffbereit, schafft der geübte LEGO Baumeister das Zusammensetzen in weniger als 20 Minuten.

Das Set besteht aus insgesamt gerade mal 410 Bauteilen und enthält keine Aufkleber (wie Schade 😉 ).

Minifiguren

Insgesamt 6 Figuren versprechen eine Menge Spielspaß. Das Set beinhaltet 2 Soldaten mit Speer und Schild, 2 Bogenschützen und 2 Ritter, die elegant zu Pferd mit Lanze, Fahne, Schild und Schwert am Sattel die Adlerritter repräsentieren. Den Sattel möchte ich an dieser Stelle hervorheben, da er ebenfalls ein komplett neues Bauteil im Jahr 1984 war und einen Clip an der Seite hatte um Gegenstände daran zu befestigen. Leider bricht der Clip sehr leicht ab und wurde erst bei späteren Sattelversionen verstärkt.

Bei den Pferden der Ritter handelt es sich um einen Schimmel und einen Rappen. Das hierfür verwendete Pferde-Bauteil war 1984 ebenfalls neu und wurde bis 2006 verwendet.

Das fertige Modell

Markant für diese und weitere Burgen ab 1984 sind die großen Fertigmauerteile mit Fenster. Diese damals neuen Bauteile werden gerne diskutiert. Zum einen kann man damit sehr schnell große Burganlagen beziehungsweise Mauern errichten, andererseits ist die Optik der Fassade dabei fast immer gleich. Vor den großen Fertigteilen mussten Mauern immer mit jeder Menge Basic-Bausteinen erstellt werden, was dadurch aber eine viele größere gestalterische Freiheit durch die Verwendung verschiedener Farben und Teile ermöglichte. LEGO sparte mit den großen Fertigmauerteilen natürlich eine Menge anderer Teile ein und die Produktionskosten fielen dadurch sicher günstiger aus. Der Trend hin zu großen Spezialteilen hielt bei LEGO noch bis in die 2000er Jahre an, bis dann glücklicherweise wieder mehr Klein- beziehungsweise Einzelteile verbaut wurden.

Zurück zur Burg! Das Innere der Festung ist etwas klein und fummelig zu bespielen. Klappt man die Burg auf (eine schöne Funktion, auch um über die verbauten Technic-Pins weitere Gebäude anzuschließen), fällt das Spielen schon deutlich leichter. Das Innere der Türme und des Kerkers sind dennoch schwer zu erreichen, auch mit kleinen Kinderhänden war es nicht einfach Figuren hinein oder heraus zu befördern. Der Gefangene musste sich daran gewöhnen, der wenige Platz und die fehlende Schlafmöglichkeit waren wohl ein bevorzugtes Folterinstrument. 😉

Erwähnenswert am Kerker ist allerdings die Tür. Diese wird aus vielen Einzelteilen gebaut anstatt eines Fertigteils zu verwenden. Das ist positiv hervorzuheben, da ja bei LEGO für Türen häufig Fertigteile zum Einsatz kommen und gerade für den Bau alternativer Modelle eher Basic-Elemente gebraucht werden.

Hinter den Zinnen der Mauern befinden sich lange Platten, die breit genug sind um Soldaten darauf zu postieren. Auch die Zugbrücke funktioniert und kann über eine Winde hoch- und runtergekurbelt werden.

Zu den bereits weiter oben genannten neuen Teilen, die im Jahr 1984 in die LEGO Produktpalette mit aufgenommen wurden, sollen außerdem noch der Köcher für die Bogenschützen, der Umhang der Ritter, das 1 x 3 Bogenteil und der neue Ritterhelm mit festem Visier erwähnt werden. Das ist eine ganze Menge, LEGO hat hier damals weit ausgeholt.

Fazit

Die kleine Ritterburg gehört für mich zu einem wichtigen Vertreter einer der bedeutendsten LEGO Serien der 80er Jahre. Zugbrücke, Kerker, Aufklapp- und Erweiterungsmöglichkeit, 6 Minifiguren und jede Menge neuer Teile waren damals schon etwas ganz besonderes für Kinder. Spielspaß und viele Baumöglichkeiten sind garantiert. Für mich hat die Burg aber auch einen emotionalen Wert, da sie eines meiner ersten LEGO Sets war, mit denen ich als Kind gespielt hatte und die ich daher in besonderer Erinnerung halte.


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Tommy

Baut gerne MOCs und sammelt alte LEGO Burgen-, Weltraum- und Piraten-Sets.